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Radio Goethe interview with Flake

Information

Date: September 2001
Source: Radio Goethe
Interviewed: Oliver and Flake

Interview

Rammstein sind die erfolgreichste deutschsprachige Band aller Zeiten, die es geschafft haben, mit deutschen Texten den amerikanischen Musikmarkt aufzumischen. Doch nicht nur das, ihre Shows sind ein mitreißendes Beispiel dafür, was den Fans live geboten werden kann. Die Mischung aus hartem Sound und einer explosionsfreudigen Pyroshow findet immer mehr Anhänger diesseits des Atlantiks. Die Berliner Schwermetaller konnten bei der "Pledge of Allegiance" Tour kräftig absahnen. Zwar war der Auftritt der Band auf 40 Minuten beschränkt, doch bereits mit dem ersten Song "Rammstein" hatten die Deutschen ihr junges Publikum in der San Jose Compaq Arena fest im Griff. Rammstein rollen also auch weiterhin auf Erfolgskurs durch die USA.
Vor dem Konzert in San Jose sprach Radio Goethe mit Keyboarder Flake und Bassist Oliver:

Radio Goethe:Ihr tourt schon wieder durch die USA. Wie haltet Ihr eigentlich diesen ganzen Tourstress aus? Flake:Das ist alles nicht so stressig, wie es aussieht. Weil eigentlich arbeiten wir ja nur eine Stunde am Tag. Ansonsten kucken wir uns die Gegend an und freuen uns an der frischen Luft, ganz besonders hier in San Francisco. Wir gehen viel spazieren, machen Sport, spielen Schach, lesen Bücher oder mal 'ne Zeitung, was man eben so macht.Oliver:Einige aus der Band haben sich jetzt Kinder angeschafft, das ist zum Beispiel auch ein gutes Hobby nebenbei. Das entspannt einen auch.

Radio Goethe:Im Juli seid Ihr alleine unterwegs gewesen, jetzt wieder als Teil der "Pledge of Allegiance Tour". Was ist für Euch als Band besser, wo liegen die Unterschiede?Oliver:Es ist besser vor mehreren Leuten zu spielen, es kommen so 3000 - 5000 Leute. Aber das ist nicht unbedingt immer unser Publikum, wenn wir eine eigene Tour machen, dann kommen eben nur unsere Fans und die Stimmung ist dabei einfach besser. Flake:Und wenn wir alleine spielen, dann spielen wir natürlich unser ganzes Programm, das sind viel mehr Titel und auch die Titel, die uns Spaß machen. Auch die Balladen. Für die Sachen ist auf der Tour keine Zeit und das ist schon etwas schade.

Radio Goethe:Bei so einer Tour baut man doch als eine von vielen Bands auch auf die Zugkraft des Headliners, in diesem Fall Slipknot. Braucht Ihr das eigentlich noch? Flake:Das ist nicht die Frage, ob wir es brauchen. Man erreicht einfach mal ein paar andere Leute, die selbst nicht zu einem Rammstein Konzert kommen würden. Die kommen eben wegen Slipknot. Die freuen sich dann manchmal, mensch, wir waren bei Slipknot und da war eine Vorband, die war ganz gut. Und das nächste mal kommen von denen vielleicht ein paar zu uns.

Radio Goethe:Ihr legt sehr viel Wert auf den amerikanischen Markt, das ist bereits das sechste Mal, dass ich Euch in den letzten fünf Jahren hier live sehe. Muß man als deutsche Band so präsent sein, um hier Erfolg zu haben?Oliver:Wir legen gar nicht so viel Wert auf den amerikanischen Markt. Wir müssen einfach überall spielen... Flake:Amerika ist ein Teil der Welt und wir spielen hier genauso oft oder selten wie überall anders auch. Insofern muß man das nicht überbewerten und nicht unterbewerten (lacht). Das ist einfach eine ganz normale Tour. Wir spielen überall und Amerika gehört eben mit dazu.

Radio Goethe:Am Anfang strömten die Fans in Eure Konzerte, weil jeder einfach mal Rammstein und Eure Show live sehen wollte. Ist der Anspruch, immer wieder was neues auf der Bühne zu präsentieren, eigentlich eine Bürde für Euch?Oliver:Man befindet sich dann irgendwann auf einer Ebene, wo man nicht mehr neu beeindrucken muß, sondern einfach nur noch gute Musik macht und neue gute Platten rausbringt. Flake:Wir sind ganz entspannt. Zur Zeit ist es nicht so, dass wir irgendeinen Druck haben, irgendwas machen zu müssen.Oliver:Aber wir merken das bei Slipknot. Bei denen ist es so, dass sie jetzt ein bißchen so leben, wie wir damals angefangen haben. Von einer Show eben. Das könnte für Slipknot schwierig werden, dieses Level zu halten. Denn wenn man mal geschockt war, dann muß was anderes kommen.

Radio Goethe:Ist diese Anspruchshaltung von Seiten Eurer Fans in Deutschland eigentlich anders? Flake:Klar erwarten die Fans, dass es brennt, aber das macht es ja auch (lacht). Das ist ja normal geworden. Wir sind in Deutschland sicherlich nicht mehr die Neuentdeckung oder der Geheimtip. Eher so eine feste Größe und das ist hier drüben noch nicht so. Zum Glück eigentlich, ich bin lieber ein Geheimtip, also so "Ich habe da was gehört, das ist ziemlich cool", als wenn man sich auf so einem Scorpions Niveau bewegt.

Radio Goethe:Eure dritte Studio CD "Mutter" klingt für mich etwas gelassener, gesetzter. Wie würdest Du "Mutter" im Vergleich zu den Vorgänger Alben beschreiben? Flake:Das ist eine Frage, die nicht beantwortbar ist. Die Platte hört man sich an und mag sie oder nicht. Da sag ich überhaupt nichts dazu (Oliver lacht).

Radio Goethe:Ich meine ja nicht, die Platte als solche zu beschreiben. Für mich klingt "Mutter" einfach so, als ob Ihr Euren Sound gefunden habt, wißt wohin Ihr wollt. Flake:Noe, das wissen wir nicht. Das kann ich hunderprozentig sagen, das wissen wir nicht, wo es hingeht.

Radio Goethe:Viele Radiosender und Bands haben nach den Anschlägen in New York und Washington ihr Programm geändert. Songs, in denen auch nur ansatzweise eine Verbindung zu den Attentaten möglich war, wurden rausgeschmissen. Habt Ihr einige Songs aus Eurem Live-Programm heraus genommen? Flake:Nein, wir hatten ja auch noch nie einen New York Titel. Und ich denke, wenn wir einen gehabt hätten, dann hätten wir den erst recht gespielt. Weil der Song "Rammstein" entstand ja auch aus einer Katastrophe.Oliver:Eher andersrum. Wir wurden dadurch zensiert. Unser neues Video zu "Ich will" kann nicht gesendet werden. Darin geht es auch im Prinzip um Terrorismus und darum, dass dieser nur existieren kann, weil es eine Öffentlichkeit gibt, die sich dafür interessiert und die Medien, die das populär machen.

Radio Goethe:In Deutschland werdet Ihr mit allem was Ihr macht erst einmal von den Medien durchgeprügelt, sei es mit Videos, mit Plattencovern oder auch mit verschiedenen Songs. Gibt es da einen Unterschied zu den amerikansichen Medien? Flake:Also, da verstehen wir zu wenig von den amerikanischen Medien.Oliver:Ich habe nur manchmal ein bißchen Angst bei dem Patriotismus, der hier noch viel ausgeprägter ist als in Deutschland.

Radio Goethe:Gibt es bereits Pläne für eine neue CD? Flake:Wir werden im nächsten Jahr anfangen, die Ideen für die neue Platte zusammen zu suchen. Das ist klar, denn ein Musiker macht Platten oder ist auf Tour (lacht), da gibt es nicht viel anderes.

Radio Goethe:Und gibt es schon einige musikalische Ideen? Flake:Es gibt schon ein paar Ideen, die wir haben. Die wollten wir eigentlich schon mit auf die dritte Platte nehmen, aber haben die nicht ganz fertig gekriegt. Und an denen werden wir weiter arbeiten.Oliver:Und da kommt uns auch diese Tour hier sehr gelegen, denn die Musik hier ist sehr erfrischend für uns. "System of the Down" zum Beispiel sind sehr inspirierend.

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