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Radio Goethe interview with Paul

Information

Date: July 5, 2001
Source: Radio Goethe
Interviewed: Paul

Interview

Seit Beginn von Radio Goethe im November 1996 verfolge ich Rammsteins Karriere in den USA. Angefangen als unbekannte Vorgruppe von KMFDM gelten sie nun als DER Vertreter der deutschen Musikszene diesseits des Atlantiks. Rammstein werden in einem Atemzug mit Bands wie Kraftwerk und den Einstürzenden Neubauten genannt. Und das nicht nur aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, sondern vor allem auch aufgrund ihres Einflusses auf die weltweite Heavy Rock Szene. Rammsteins bretterharter Sound und ihre dynamische und explodierende Show gilt vielen Bands als Richtschnur. Deutsche Texte als Hemmschuh für den Erfolg in den USA, das gilt seit Rammstein nicht mehr. Auf der jüngsten Tournee für ihr Album "Mutter" sprach Radio Goethe vor dem Konzert in San Francisco mit Gitarrist Paul Landers:

Radio Goethe:Vor ein paar Jahren habt Ihr das Plattenlabel in den USA wechseln müssen und seid jetzt bei einem Major Label unter dem Dach von Universal Records. Welche Erfahrungen habt ihr bislang damit gemacht? Landers:Wir haben gemerkt, dass die amerikanischen Plattenfirmen eigentlich ziemlich Scheiße sind. Generell. Das liegt jetzt gar nicht an uns und unserer Plattenfirma, sondern die sind generell ziemlich trübe. Die können sich nicht so richtig einsetzen und fördern nur Sachen, wo sie hunderprozentig sicher sind, so wie AC/DC oder Pink Floyd. Als andere Band ist es immer sehr schwer. Da müssen die Manager schon ziemlich hinterher sein. Das ist auch so bei den amerikanischen Bands.

Radio Goethe:Wie kommt Euer neues Album "Mutter" hier an, gibt es Unterschiede in der Akzeptanz zu "Sehnsucht"? Landers:Wir versuchen die Platte immer so gut wie möglich zu machen. Da denkt man nicht daran, ob sich die Platte genau so verkauft wie die andere. Das kann man sowieso nicht vorhersehen. Man versucht einfach die Platte so gut wie möglich zu machen. Wenn man sich von seiner Frau trennt, schafft man es auch nicht, dass die nächste Frau genau so wird. Die wird irgendwie anders, das kann man vorher auch nicht wissen, auch wenn man das gerne möchte.

Radio Goethe:Auf "Mutter" tritt Till ja ziemlich als Märchenerzähler auf. War das absichtlich so gedacht? Landers:Ich finde, dass Till noch ein bißchen mehr singt als auf den davorigen Platten. Das war Absicht. Was jetzt meiner Meinung nach ein bißchen zu kurz gekommen ist, sind die typisch deutschen Worte, die man so schwer aussprechen kann, wie RRRRammmmstein oder "Du hast". Das wird auf der nächsten Platte wieder mehr sein, das man praktisch wieder mehr Freude am Deutsch gesprochenen Wort empfinden kann.

Radio Goethe:Als wir uns das erste mal gesprochen haben, seid Ihr Vorband von KMFDM gewesen. Jetzt ein paar Jahre später tourt Ihr alleine und als Headliner durch die großen Hallen der USA. Seid Ihr hier am Höhepunkt angelangt? Landers:Nein, das war vor drei Jahren. Da waren wir durch das "Du hast" Video richtig angesagt. Da kamen ungefähr doppelt so viele Leute wie jetzt. Jetzt ist gerade ein bißchen Flaute, würde ich mal sagen. Was nicht wenig Leute sind, aber es sind schon weniger als mal waren. Wir werden sehen, irgendwann werden es mal wieder mehr.

Radio Goethe:Die Reaktionen von zumeist weiblichen Hörerinnen von Radio Goethe ist die, dass ihr als eine deutsche Boygroup gesehen werdet. Quasi Rammstein, die deutsche Antwort auf die Backstreet Boys. Wie siehst Du das? Landers:(Wendet sich einer jungen Amerikanerin zu) Are we the Backstreet Boys? Yes? (Die etwas gelangweilt wirkende junge Frau meint: "Those women are stupid") Ja, genau. Das finde ich nicht. Wir hatten vielleicht am Anfang mal so ein paar Ambitionen, aber für 'ne Boygroup sind wir dann doch nicht blöde genug. Hübsch genug sind wir.

Radio Goethe:Wie geht es weiter für Euch in den USA? Landers:Wir machen jetzt Amerika zu Ende, noch 30 Shows ungefähr. Dann sind drei Wochen Urlaub angesagt. Danach geht es für drei Wochen nach Osteuropa, Rußland, Schweden. Alles in kleineren Clubs. Dann fahren wir wahrscheinlich nach Amerika zurück, um hier mit Rob Zombie zu touren. Danach geht es wieder nach Europa, im Dezember, um dort große Hallen zu spielen, so 8000er.

Radio Goethe:Wenn Du so die Pressereaktionen zwischen Deutschland und den USA vergleichst, wo liegen für Dich da die Unterschiede? Landers:Das kann ich noch gar nicht abschätzen, weil wir in Deutschland einen ganz anderen Status haben als in Amerika. In Amerika herrscht eigentlich mehr Interesse oder von so kleineren Radiostationen echte Begeisterung. Das findet man in Deutschland auch, aber in Deutschland gibt es dann noch diese seriöseren und geläuterteren Journalisten. Die haben wir hier drüben noch nicht kennengelernt.

Radio Goethe:Ich habe so das Gefühl, alleine durch die Resonanz auf Eure jüngste Platte, dass Ihr mittlerweile auch in Deutschland von der Presse besser behandelt werdet als noch vor ein paar Jahren, als immer wieder von der rechten Truppe die Rede war. Landers:Ja, das hat aufgehört. Gott sei Dank. Dafür gab es ja auch einfach keinen Grund. Irgendwann ging denen einfach die Puste aus. Da fiel uns eine kleine Last vom Herzen, weil es anstrengend war, sich immer für etwas rechtfertigen zu müssen, was gar nicht ist. Das ist ganz ekelig.

Radio Goethe:Links 2 3 4 wird als Euer erstes richtig politisches Lied gesehen. Stimmt das? Landers:Ich denke, Musik ist generell politisch. Wenn Du Dich auf eine Bühne stellst, ist das auch irgendwie politisch, wenn man sich äußert ist das auch irgendwie politisch. Sagen wir es mal so, das ist das erste Lied, das dumm genug ist, damit die Leute das verstehen. Wobei wir aber versucht haben, noch einen kleinen Schlenker darin zu machen, um den Leuten es nicht zu einfach zu machen.

Radio Goethe:Wenn Du jetzt mal auf die bisherige Karriere von Rammstein zurückblickst, gibt es da etwas, bei dem Du heute sagst, das hättet Ihr anders machen sollen? Landers:Eigentlich nischt! Ich habe mir jetzt einen Equalizer für die Gitarre gekauft, den hätte ich mir vielleicht schon vor zwei Monaten kaufen sollen.

Radio Goethe:Ihr seid erfolgreich, Ihr tourt durch alle Welt, seid viel zusammen und doch scheint es, als ob es keine Probleme innerhalb der Band gibt. Stimmt das? Landers:Das sagst Du. Ja, logischerweise haben wir Streß und es gibt auch Ärger und es gibt auch wieder Versöhnung. Es ist eigentlich das schwerste entspannt zu bleiben, nicht den Kontakt zum Boden zu verlieren, miteinander klar zu kommen, mit dem Erfolg und dem Geld klar zu kommen. Das sind so die Aufgaben, die man, ich sag mal, in unserer Reiseflughöhe hat. Man hat eigentlich nicht mehr damit zu kämpfen bekannt zu werden, sondern gesund und munter zu bleiben, wie die Oma immer sagt "Hauptsache man ist gesund".

Radio Goethe:Also nervt der Erfolg auch ein bißchen? Landers:Nee, das haben wir uns ja so ausgesucht. Leute, die erfolgreich werden, die wollen das auch. Du wirst nicht aus Versehen erfolgreich. Ein paar werden aus Versehen erfolgreich und die erschießen sich. Aber alle anderen, die sich nicht erschießen, die wollen das. Es gibt natürlich viele, die wollen erfolgreich werden und werden es nicht. Dann wollten die es zu doll oder wollten nur erfolgreich werden und nicht gut. Das Ziel und auch unser Ziel ist, gut zu sein, anders, eigen, interessant. Und dann, wenn man das kann und Glück hat und einige Sterne günstig stehen hat man auch Erfolg.

Radio Goethe:Ihr habt lange Zeit als die Vorreiter der Neuen Deutschen Härte gegolten. Die Neue Deutsche Härte ist tot, wohin geht Euer Weg jetzt? Landers:Das mit der Neuen Deutschen Härte war nichts weiter als das Plattenfirmen versucht haben oder dachten, dass unser Erfolg mit unserer Musikrichtung zusammen hänge. Was aber ein Irrtum war. Unser Erfolg liegt nicht an der Musikrichtung, das haben andere Bands vorher schon getrieben - auch besser. Und nach uns auch. Unser Erfolg liegt einfach an uns. Das war wie bei den Stones. Zu der Zeit gab es tausende von Stones ähnlich klingenden Bands. Die kennt heute kein Schwein mehr. Das die Stones erfolgreich waren lag einfach an den Stones. Deswegen war die Neue Deutsche Härte, die da propagiert wurde, eher belustigend, weil die Plattenfirmen, unoriginell wie sie sind, versucht haben, auf diesen Zug aufzuspringen ohne zu merken, wo unsere Qualitäten sind. Die haben einfach Leute genommen, die Deutsch singen, tiefe Stimmen haben und wo Gitarren krachen und dachten, jetzt haben sie aber was richtig gemacht.

Radio Goethe:Ihr habt "Stripped" von Depeche Mode gecovert. Gibt es Pläne für eine weitere Coverversion? Landers:Wir haben von den Ramones "Pet Cemetery" gecovert, weil wir ein gutes Lied zum Abschluß des Konzertes gesucht haben.

Radio Goethe:Gibt es schon Pläne für eine neue Platte? Landers:Geplant ist im Sommer nächstes Jahr. Diesmal wollen wir uns ein bißchen mehr beeilen. Das sieht für manchen nämlich so aus, als ob wir uns viel Zeit gelassen haben. Aber wir waren lange weltweit auf Tour. Wir mußten uns erstmal daran gewöhnen, dass wir jetzt eine international agierende Band sind. Das dauert schon ein bißchen, bis man mal überall auf der Welt gespielt hat. In Japan sogar zweimal. Von daher haben wir viel Zeit mit touren verbracht, aber nichtsdestotrotz haben wir uns für die Platte eineinhalb Jahre Zeit genommen, denn wir wollten lieber eine gute Platte machen als nur eine Platte.

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