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Doc Rock interview with Richard

Information

Date: July 7, 1999
Source: Doc Rock
Interviewed: Richard
Translation: English

Interview

DocRock:Stichwort Internet: Könntest Du Dir vorstellen, dass für Euch als Band das Internet in Zukunft als Präsentationsbühne wichtiger wird?Richard:Ja, ich glaube schon. Wir haben schon lange darüber nachgedacht, und sind gerade dabei uns abscannen zu lassen. Wir haben die Vorstellung, dass man uns als Personen ins Internet stellt, und die Möglichkeit hat, richtige Fragen zu stellen.

DocRock:Wie stellt Ihr Euch das genau vor?Richard:Also, die Leute stellen Fragen an uns, und wir sitzen an einem anderen Ort und beantworten die Fragen. Oder es gibt 100 Fragen die immer wiedegestellt werden, und die im Programm beantwortet werden.

DocRock:Also sowas wie ein permanenter Live-Chat und FAQ´s.Richard:Ja genau

DocRock:Eure Homepage macht einen sehr persönlichen Eindruck, und ist sehr aktuell. Macht Ihr die Seite selber?Richard:Wir arbeiten sehr eng zusammen mit den Leuten, die die Seite machen. Das ist nicht nur im Bereich Internet der Fall, sondern trifft auch in anderen Bereichen, z.B. bei der Plattenfirma zu. Wir stehen in engem Kontakt zu den Leuten. Für das Internet ist Oliver, der Bassist, zuständig. Er setzt sich sehr stark mit diesem Medium auseinander. Die Ideen für die Homepage kommen von uns und werden dann von anderen Leuten, die das Know-How haben, verwirklicht.

DocRock:Über MP3 wird ja in letzter Zeit ziemlich viel geredet. Wie steht Ihr denn dazu? Seht Ihr das eher als Chance oder als Bedrohung?Richard:Im Moment gibt es da ja noch sehr viel Piraterie im Internet. Irgendwie wird man aber sicher eine Regelung dafür finden, obwohl es immer wieder Freaks geben wird, die das umgehen werden. Aber ich glaube, dass die Leute irgendwann akzeptieren, dass eine Zahlung notwendig ist. Ich glaube nicht, dass man die Leute zum Zahlen zwingen muss. Es dauert immer eine Zeit bis ein neues Medium akzeptiert wird, und dann wird die Mehrzahl der Leute auch für Musik aus dem Internet zahlen.

DocRock:Was glaubst Du, welche Bedeutung Rammstein in der Zukunft einnehmen wird? Glaubst du dass es eher ein langfristiges Aushängeschild für Deutschland wie Kraftwerk oder Can sein wird oder eher eine kurzzeitige Sache?Richard:Natürlich glaube und hoffe ich, dass es ein langzeitiges Projekt sein wird. Wir sind jetzt seit 5 Jahren zusammen, und verstehen uns immer noch sehr gut, obwohl wir fast jeden Tag zusammen sind. Deshalb hoffe ich, dass wir da noch ein paar Jahre dranhängen können. Es ist ja gar nicht das Problem, wenn man nach 4 oder 5 Platten sagt, ok, wir machen jetzt mal ein Jahr Pause und probieren eigene Sachen aus. Aber Rammstein an sich wird es hoffentlich noch lange geben, d.h. dass wir unter diesem Namen noch lange Musik zusammen machen werden.

DocRock:Habt Ihr eigentlich schon Feedback von Fans über Euer neues Album? Es ist ja ein Live-Album, und somit gibt es für die Fans nichts Neues.Richard:Also wirkliche Reaktionen dazu haben wir noch nicht. Die Leute freuen sich generell, wenn was Neues von uns kommt. Ich hab noch nicht mit Fans darüber gesprochen, das mache ich ja auch nicht wenn ich einen Song schreibe. In erster Linie machen wir ja auch die Sachen, die uns gefallen, und wenn es den Leuten dann noch gefällt, ist es ja gut. Das Album soll so eine Art Schlusstrich sein unter einer Epoche die uns wichtig war.

DocRock:Besteht für Euch eine gewisse Verpflichtung den Fans gegenüber?Richard:Ja, man kann sich nicht einfach entziehen, man muss zur Verfügung stehen, und wir übernehmen da auch eine gewisse Verantwortung. Wir haben einen Fanclub in Deutschland, und bekommen auch sehr viel Post von unseren Fans, die oftmals sehr persönlich ist. Wir klinken uns da aber nicht in persönliche Probleme der Fans ein, das ist nicht machbar, obwohl ich glaube, dass ich die Kraft dazu hätte...wenn ich nochmal einen Beruf wählen würde, wäre ich wahrscheinlich Psychiater...

DocRock:Bist Du schon mal in der Situation gewesen, in der Leute Eure Inhalte missverstehen?Richard:Ne, noch nicht. Meist trifft man ja auch eher auf Journalisten, die die Dinge hinterfragen. Falls Du meinst ob ich auf irgendwelche Nazis getroffen bin, die unsere Inhalte missverstehen, nein, bin ich nicht. Bei uns in den Konzerten gibt´s auch ganz klare Ansagen, dass solche Leute sofort nach hause geschickt werden. Das sind ganz klare Ansagen von der Band. In Amerika hat mal einer probiert, den Arm zu heben, der ist auch sofort rausgeflogen. Wir sind da ziemlich rigoros.

DocRock:Ihr habt ja durch Eure Musik einen Stein ins Rollen gebracht. Es gibt mittlerweile einige Bands, die ziemlich ähnlich klingen. Wie gefällt Dir das, wie gefällt Dir die Musik?Richard:Ab und zu kriegen wir Platten von solchen Bands zugeschoben, leider gefällt mir da nicht viel von. Joachim Witt fand ich gut, das war eine Sache die mir richtig gut gefallen hat. Gestern hab ich einen Track von den Sternen gehört, von der neuen Platte, den fand ich auch nicht schlecht.

DocRock:Was hörst du sonst so?Richard:Ich höre gerade Placebo, die finde ich richtig gut, ausserdem freue ich mich auf die neue Chris Cornell-Scheibe, also das Soloprojekt. Ich mag seine Stimme sehr.

DocRock:Findest Du, dass Ironie in Deutschland schwerer zu transportieren ist als im Ausland?Richard:Ja, klar. Das liegt an den Deutschen selber. Die tun sich unheimlich schwer mit Komik, oder damit, dass man über sich selbst lachen kann. Es gibt ja seit einiger Zeit diese ganzen Satire-Shows am Wochenende, ich glaube dass sich dadurch in Zukunft einiges ändern wird mit der Ironie, das wird nicht immer so bleiben.

DocRock:Ihr tragt sicherlich dazu bei.Richard:Oft können die Leute über uns nicht lachen, aber zumindest fangen sie an nachzudenken und zu diskutieren. Das ist schon mal sehr gut.

DocRock:Wie seid ihr eigentlich auf den Bandnamen gekommen?Richard:Unser Trommler hatte damals so ein Schild gesehen: Rammstein-Flugshow, dann haben wir etwas rumgesponnen: Ramstein, Rammstein usw. Ich fand den Namen am Anfang total scheisse. Kennst du das wenn du so einen Namen aus einem Jux heraugemacht hast, und der verschwindet nicht mehr. Der bleibt einfach, und so ist das passiert. Passte dann auch zu der Musik. Ich war am Anfang total dagegen. Mittlwerweile kann ich damit leben,weil der Name eine eigene Bedeutung hat. Als Clinton in Ramstein war wegen dem Kosovo-Krieg, wurde der Namen in den Medien überall mit zwei geschriebn, dabei schreibt der Ort sich nur mit einem M.

DocRock:Hattet Ihr denn alternative Ideen für einen Bandnamen?Richard:Bandnamen, das ist ein ganz schwieriges Feld, wir hatten aber auch keine anderen Alternativen.

DocRock:Nach der Schiesserei in einer High-School in Denver seid Ihr ja zusammen mit Marilyn Manson, KFMDM und anderen Bands dafür mitverantwortlich gemacht worden. Wie steht Ihr dazu?Richard:Ich denke, dass die Medien einen Sündenbock gesucht haben, um von der Problematik, die ja sehr komplex ist, abzulenken. Wir haben da zusammen mit diesen anderen Bands anscheinend gut ins Bild gepasst. Jeder weiss, wie einfach es in den USA ist, an Waffen ranzukommen, aber niemand will es wahrhaben.

DocRock:Wie habt Ihr denn auf die Anschuldigungen reagiert?Richard:Wir haben den offenen Brief von Marilyn Manson, der sich zu den Anschuldigungen äussert, auf unsere Homepage übernommen.

DocRock:Till und Flake wurden nach einem Eurer USA-Gigs wegen der ''anzüglichen Bühnenshow'' verhaftet, und haben eine Nacht im Gefängnis verbracht. Hast Du den Eindruck dass das in den Medien hochgespielt wurde?Richard:Natürlich werden Dinge in den Medien immer hochgespielt. Unabhängig davon hat diese ganze Geschichte auch mit einem grundsätzlichen, amerikanischen Problem zu tun. Auf der einen Seite sind die Leute sexuell unfrei, auf der anderen Seite werden sie im TV ganz stark mit Gewaltszenen konfrontiert, wo ich mir denke, da stimmt doch irgendwas nicht. Also ich glaube schon, dass diese Sache hochgespielt wurde.

DocRock:Danke für das Interview, Richard.

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